Schlachthof
Von Woche zu Woche häuft sich in den Hallen mehr und mehr der Unrat. Lebensmittelverpackungen, Sperrmüll, Industrieabfälle. Auch auf dem Außengelände sieht es nicht anders aus: in einer wahrscheinlich durch verstreute Salze aus der Fleischwarenproduktion hervorgerufenen beeindruckenden Flora stehen Kraftfahrzeuge abgestellt, vom Kleinstwagen bis hin zum Wohnmobil.
1999 verlor der städtische Fleischversorgungsbetrieb seine Lizenz. Nur noch mit enormem finanziellen Aufwand hätten die größtenteils bereits 100 Jahre alten Gebäude den aktuellen EG-Standards genügen können. Allerdings fragt man sich bei der Besichtigung des Betriebes trotz sichtbarer Modernisierungsversuche, wie er überhaupt so lang existieren konnte.
Einzelne, wild verstreute, freistehende Gebäude, teils vollkommen marode und alles andere, als überhaupt noch als Viehställe oder gar als Zwischenlager für Lebensmittel nutzbar. Auch vor zehn Jahren schon nicht mehr. Bis 2005 firmierte dann in den Hallen ein türkischer Lebensmittelvertrieb und Partyservice. Sollte dieser hier tatsächlich noch geschlachtet haben, dann definitiv nicht unter ausreichend hygienischen Bedingungen; nur mit Leichtbauwänden wurden Stillstandsbereiche und Produktion voneinander getrennt. Nicht mehr benötigte Sozialräume wurden einfach verschlossen.
Die einst so prächtige Anlage aus der Gründerzeit mit dem markanten Wasserturm, der Direktorenvilla und dem gegenüberliegenden Meisterwohnhaus, den herrlich gestalteten Schlachterei- und Nebengebäuden: ruinös, überflüssig, abgeschrieben. Damals der Stolz einer ganzen Region, Wirkungsstätte angesehener Berufsgruppen, wirtschaftlich unverzichtbar, heute der Stadt bloß noch ein Klotz am Bein. Nutzungskonzepte für das Areal gibt es bereits seit 2002, doch durch den Ratswechsel bei der vorigen Kommunalwahl und fehlenden Interesse der neuen Führungsriege, liegen jetzt schon seit fünf Jahren alle Pläne auf Eis. Der Wasserturm wurde damals bereits kernsaniert und stellt mit den Wohnhäusern ein erhaltenswertes Ensemble dar, was bei den Planungen für die Neubebauung des Geländes auch berücksichtigt wurde. Doch beim zusehends zunehmenden Verfall der Gebäude durch Wetter- und Vandalismuseinflüsse, wird das Wort „Denkmalschutz” auch hier einmal mehr als Synonym für „Zerfall unter Aufsicht” gelten dürfen.
