Dachpappenfabrik Raschig
Genau auf der Stadtteilgrenze zwischen Werne und Langendreer gelegen, eingerahmt von Bundesbahn-Gleisen und einer Wohnzeile, befindet sich das Areal der ehemaligen Teerdestillation Raschig. 1918 erwirbt der Industrielle Fritz Raschig aus Ludwigshafen die hier seit Ende des 19. Jahrhunderts ansässige „Chemische Fabrik Dr. Wirth, Waldthausen & Schulz”. Seine Intention: das Ludwigshafener Stammwerk mit Vorprodukten aus destilliertem Teer, wie er bei der Verkokung der Steinkohle anfällt, zu beliefern. Die Kokereien der Zechen in der näheren Umgebung lieferten den nötigen Rohstoff für dieses Vorhaben.
Und es riecht hier heute noch; so genannte „Handhabungsverluste”, Kriegseinwirkungen und Leckagen führten zu einer immensen Kontamination des Erdreichs.
In den 1970er Jahren wurde ein bundesweites Verbot für den Gebrauch von Teer im Straßenbau erwirkt, was zur Aufgabe der hiesigen Teerdestillation führte. Man stellte die Produktion einfach auf das aus Erdöl gewonnene Bitumen als Binde- und Dichtmittel um. Nach Aufgabe der Teerdestillation wurden die ausschließlich diesem Produktionszweig dienenden Anlagenteile oberirdisch rückgebaut und der südliche Werksteil der Natur überlassen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich so ein stattliches Laubwäldchen rund um die Hochtanks an der Bahnzufahrt. Durch eine weiträumige Rodungsaktion wurde Anfang dieses Jahres der Beginn der Altlastensanierung eingeleitet.
In Spitzenzeiten hatte das Raschig-Werk Bochum rund 250 Beschäftigte. Nach und nach wurde es zu einem Rumpfbetrieb mit zuletzt 25 Arbeitskräften heruntergefahren (2006). Das Werk stellte Zubehör für den Asphalt-Straßenbau her und war Produzent von Dachbaustoffen auf Bitumenbasis.
