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Herner Herdfabrik

letzte Änderung / last update:
16. September 2009

Fotos von / pictures taken:
05/2009, 08/2009, 09/2009

Objektstatus / status:
verlassen / abandoned

Am Anfang war ein Sohn der Stadt Herne, der Industrielle Eduard Gessmann. Er entwickelte das Drahtseil für Förderkörbe weiter und erlangte durch Patente mit seiner in Wanne befindlichen Seilfabrik eine Monopolstellung auf diesem Gebiet. Über Jahre hielt er mit dieser Fabrik hunderte Menschen in Brot und Arbeit. Im Alter von 50 Jahren dann gründet er 1897 die Herner Herdfabrik GmbH, deren Grundkapital sich noch nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1922 bis zur Schließung beinahe permanent im Familienbesitz befindet. Die Firma heißt fortan „Akt.-Ges. Herdfabrik und Eisengießerei, Herne i.W.”. Dieser Name ziert noch heute die Fassade des ehemaligen Verwaltungs- und Ausstellungsgebäudes. Zur AG heißt es im Handelsregister: „Herstellung, Ankauf und Verkauf von Kochherden aller Arten und verwandter Erzeugnisse. Haupterzeugnisse: Kohleherde, kombinierte Kohle- und Gasherde, Gasherde, Gaskocher, Zentralheizungsherde, Topfbänke
Ab etwa 1940 wird hier auch eine „Beteiligung an anderen Unternehmungen” erwähnt. Im Zweiten Weltkrieg befand sich das Grundkapital der AG nicht im Familienbesitz; es werden Namen zweier Großaktionäre genannt.
1942 ist dann interessanterweise der Bochumer Brauereibesitzer Moritz Fiege Aufsichtsratsmitglied, in den 50er Jahren wird er schließlich in den Firmenvorstand berufen. Mit ihm holte man sich einen Hoffnungsträger an Bord des sinken zu drohenden Schiffs, denn nachdem sich mit dem Wirtschaftsboom im Gas- und vor allem Elektroherdsektor Marken wie „JUNO” und „Küppersbusch” in der Käuferschaft durchgesetzt hatten, war selbst mit der Aufnahme einer E-Herdlinie in die Produktpalette der Fabrik deren Untergang nicht mehr aufzuhalten. Auf Grund der größtenteils nicht mehr zeitgemäßen und konkurrenzfähigen Produkte musste der Betrieb mit zuletzt noch rund 100 Mitarbeitern trotzdem 1972 seine Pforten schließen. Immerhin waren die Anlagen bis zuletzt noch im Einschichtbetrieb zu 100 Prozent ausgelastet.
Die Produktion der Fabrik verfügte über eine Eisengießerei, mechanische Werkstätten, ein Emaillier- und Stanzwerk, sowie Montagehallen. Nach dem Verkauf des Maschinenparks und der Abhandlung rechtlicher Verbindlichkeiten, erlosch 1975 die AG und es ließen sich in den Produktionshallen zwei scheinbar kooperierende Unternehmen aus dem Bereich Schwimmbadtechnik nieder. Know-how aus den Bereichen Edelstahlverarbeitung, sowie Glasfiberkonstruktionen, konnte so wirtschaftlich vereint werden.
Anfang des neuen Jahrtausends verließen auch diese Firmen dann die inzwischen unsagbar baufälligen und teilweise bereits eingestürzten, weitestgehend hölzernen Sheddachhallen. Teile der Produktpalette und ein Haufen Akten sind noch in den Hallenruinen und Büros auszumachen. Auf dem Gelände und in den Hallen befinden sich darüber hinaus Überreste einer Kunststofffensterproduktion und ein Autofriedhof. Auf ehemaligen Teilen des Firmengeländes sind mittlerweile mehrere Zweifamilienhäuser entstanden.