∨ weiteres

Färberei G.T.V.

letzte Änderung / last update:
20. Februar 2010

Fotos von / pictures taken:
10/2009, 11/2009, 02/2010

Objektstatus / status:
abgerissen / demolished, verlassen / abandoned

Inzwischen sind bald acht Jahre vergangen, nachdem hier die letzte Stoffbahn gefärbt und beschichtet wurde, aber es liegt immer noch dieser eigenartige, laugige Waschküchengeruch in der Luft. Besonders dann, wenn der Regen durch die löchrigen Dächer auf den Hallenboden prasselt. Wohin man auch sieht, finden sich Stoffreste und Bäume – hölzerne Achsen zum Aufwickeln der Bahnen; metallene hätten ganz einfach den Chemikalien nicht standgehalten. An vielen Stellen im Gebäude stößt man auf menschliche Schlafstätten aus der Zeit nach der Schließung, mit feinster Kunstseide ausstaffiert, die in den oberen Etagen noch meterweise herumliegt.

Im ältesten Gebäudeteil, erbaut 1862, wurden die unbehandelten Stoffe für den Färbevorgang vorbereitet und nach ihrer Behandlung in den oberen Etagen gelagert und mit speziellen Maschinen mit integrierten Sichttischen, von denen noch insgesamt vier Stück vorhanden sind, gefaltet, etikettiert und aufgewickelt, und so zum Versand vorbereitet. Ein paar Räume weiter im früheren Konstruktionsbüro, baulich eingerahmt von Magazin- und Archivräumen, direkt über der Betriebsschlosserei, scheint die Zeit vor Jahren stehengeblieben zu sein: zwei große Zeichenmaschinen, massive Schreibtische, technische Zeichnungen, ein breites Fensterband in Richtung Norden. Den noch vorhandenen Unterlagen nach zu urteilen, wurde hier auch für Fremdfirmen als Statik- und Konstruktionsbüro gearbeitet. Die Färberei selbst führte bereits etliche Jahre vor ihrer Schließung auch nur noch Lohnarbeiten aus, nachdem sie zuvor über Jahrzehnte Hausfärberei einer örtlichen Weberei gewesen war. Nachdem einige der Auftraggeber über Jahre die Färberei nicht mehr bezahlten, blieben Lohnzahlungen und wichtige Investitionen aus und vor Ort nicht realisierbare Umweltschutzauflagen zwangen schließlich den Betrieb nach langen Diskussionen zur Schließung. Rund 50 Menschen verloren ihre Arbeit.

Nachdem vor einer Weile immer wieder Personen in den völlig ungesicherten, maroden Gebäuden zu Schaden kamen, verschloss die Stadt Velbert alle ebenerdigen Einstiege in die Gebäude und umzäunte das Gelände provisorisch. Des weiteren wurde ein Hausmeister engagiert, der sich um Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht kümmert und in unregelmäßigen Abständen auf dem Areal nach dem Rechten sieht.

Zur Zeit werden immer wieder Anlagenteile aus den Gebäuden entfernt, um auf einer der Kunstinseln des „Folkwang-Atolls”, einer großen Aktion im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010, installiert zu werden. So werden die letzten erkennbaren Produktionszusammenhänge auch noch zerstört.

Was mit dem Fabrikgelände und den Gebäuden geschehen soll, darüber schweigt die Stadt Velbert sich nun schon seit Jahren aus. Im Gespräch war unter anderem ein Webereimuseum; der Flächennutzungsplan sieht eine Wohnbebauung vor – die wohl mit Abstand sinnvollste Lösung angesichts der räumlichen Lage und des Zustandes der bestehenden Bauten.

11/11: Binnen zwei Wochen sind sämtliche Gebäude, bis auf den bruchsteinernen Ursprungsbau von 1862 und die Marmorsäulen des Eingangsbereichs der Villa, plattgemacht worden.