Der große Saal aus Kaisers Zeiten war bereits in den 1950ern technisch veraltet, zu klein. Was folgte, war ein kostenintensiver Umbau – trotz fehlender Nutzungskonzepte. Der Saalbau konnte sich dann bis zu seiner Schließung finanziell nicht selbst tragen. Hohe Unterhaltskosten und sein geringer Allgemeinnutzen machten ihn zu einem Geldfresser und brachten ihm den landläufigen Namen „Zahlbau” ein. Hier fanden ab der Inbetriebnahme des neuen Ruhrfestspielhauses 1965 fast ausschließlich Karnevalssitzungen, kleinere Tagungen und Auftritte C- bis F-Prominenter statt. 2000 schließlich musste der Saalbau seine Türen – wie es offiziell heißt – aus Gründen mangelnden Brandschutzes für die Öffentlichkeit schließen. Eine Kernsanierung hätte damals schon an die 11 Mio. Euro gekostet.

Die bei Fusion der Stadt- und Kreissparkasse entstandene Sparkasse Vest versprach der Stadt für ihren Saalbau 10 Mio. Euro – allerdings nur für den Fall eines Umbaus zu einem neuen Museumszentrum. Trotz damaliger architektonischer und nutzungstechnischer Konzepte: 2009 wurde erneut ein Architektenwettbewerb für Erhalt und die Reaktivierung des Saalbaus in ursprünglicher Funktion ausgeschrieben – gefördert mit 150.000,– Euro.
Die 1972 gebaute Orgel erhielt 2002 in einer Westerwälder Kirchengemeinde eine neue Bleibe – im Saalbau war sie das hochwertige Kernstück des Bühnenaufbaus und die Stadt verscherbelte sie für rund 20.000,– Euro.
Allein das leerstehende Gebäude kostet die Stadt jährlich 20.000 Euro – nach den inzwischen annähernd 10 Jahren Leerstand entspricht dies der Summe der seinerzeit prognostizierten Abrisskosten.

Dass kein Recklinghäuser Bürger den Saalbau braucht, demonstrieren 10 Jahre Leerstand sehr gut. Die historische Bedeutung der Adresse für Stadt und Städter soll hierbei gar nicht in Frage gestellt werden, aber das einstige Vorzeigeobjekt ist eine Ruine. Die vorgelagerte Gastwirtschaft mit Foyer und Restaurant hat einen Dachschaden; die Teppiche im Eingangsbereich sind bereits komplett durchnässt und lassen auf den Zustand der Gebäudedecke schließen.
Im mit ältesten Teil des Gebäudes hinter der Bühne des großen Saals tropft es auch. Der Deckenstuck eines kleineren Saals findet sich inzwischen auf dessen Boden wieder. Fassadenteile müssen abgestützt werden, Teile der Blechaufschrift „Städtischer Saalbau” drohten, die Verkehrssicherheit zu beeinträchtigen und wurden entfernt.
Das wirtschaftlich sinnvollste Konzept neben dem Totalabriss sah den Verkauf der Gebäude und des Grundstücks an den Höchstbietenden vor.

Der städtische Saalbau geht auf die Gastwirtschaft „Kaisergarten” aus den 1880er Jahren und die Erweiterung durch den großen Saal 1897 zurück. Umgebaut wurde er 1925 und 1966 und dabei optisch wie funktional den jeweiligen Bedürfnissen und Moden angepasst.
Hier liegt die Wiege der Ruhrfestspiele: 1946/47 versorgt die Zeche König Ludwig drei Hamburger Theater einen Winter lang mit Brennstoff. Die Schauspieler revengieren sich unter dem Motto „Kunst gegen Kohle”.

Städtischer Saalbau | Recklinghausen veröffentlicht 08/2009, abgelegt unter „Verlassen”

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